„Was machen eigentlich die Hühner?“

…so werde ich häufig gefragt. Gemeint sind natürlich die „Rettungshühner“ vom Team für Tiere. (Ein Beitrag von Natascha Geesmann)

 

Ja, den meisten, die noch leben, geht es ganz gut. Sie haben sich im letzten September sehr schnell gut eingewöhnt und etliche haben sich, auch was das Federkleid angeht, gut entwickelt. Leider war das nicht bei allen so und man muss auch feststellen, dass die Hennen, die keine Federn nachgeschoben haben, letztlich die Empfindlichsten  waren.

Die Hennen sind verbraucht. Die Züchtung Richtung Eierproduktion, die Haltungsform und Fütterung der ersten eineinhalb Lebensjahre fordern einfach ihren Tribut. Das häufigste Problem sind Legedarmentzündungen mit Legedarmvorfällen. Man muss sich wirklich vorstellen, dass der Legedarm dann zu einem kleinen Teil aus der Kloake heraussteht. Kein schöner Anblick und starke Schmerzen für das Tier, dessen Körper trotzdem weiter Eier produziert, die dann blutig und unter Qualen herausgedrückt werden.

Gerade heute musste ich noch mit einer Henne wieder zum Tierarzt, damit die Entzündung mit Antibiotika behandelt wird und sie somit wieder schmerzfrei wird.

Eine Behandlung mit Hormonen, damit die Hennen keine Eier mehr legen, ist derzeit nicht sehr erfolgreich.

Bilanz: von den 26 ursprünglichen Hennen mussten wir in der Zwischenzeit zehn gehen lassen. Sieben mit Legedarmproblemen sind erfolgreich behandelt worden und sind wieder in die Gruppen integriert worden, nachdem sie die Wartezeit nach der Medikamentengabe in einem separaten Gehege verbringen mussten. Kaum vergingen mal vierzehn Tage am Stück, in denen nicht mindestens eine Henne im Käfig, zum Teil unter Rotlicht auf der Stallgasse saß und intensive Behandlung benötigte.

Auch verhaltenstechnisch sind diese Hennen, die einzeln eigentlich neugierig und zutraulich sind, untereinander recht aggressiv.   Sobald eine Henne Schwäche zeigt, wird diese sofort niedergemacht und so lange gehackt, bis sie blutend in der Ecke sitzt. Das lassen wir natürlich nicht zu, somit ist der Bestand inzwischen halbiert und mit den anderen Hühnern des Ponyhofes, die ruhigeren Rassen angehören,  in zwei Gruppen gemischt, die jeweils einen Hahn dabei haben, der für Ordnung sorgt.

Was Menschen angeht sind die Tiere allerdings zumeist äußerst anhänglich. Einige gehen mit bis in die Küche, fragen nach Essbarem oder halten sich einfach nur in der Nähe des Menschen auf. Es wurden auch schon Eier auf der Eckbank oder im Hundekörbchen gelegt.

Sie scheinen einfach zu spüren, dass sie hier niemand weg jagen will und dass man sich um sie kümmert, etwas, was sie in ihrem früheren Leben nicht kannten. Damals stand die Eierproduktion im Vordergrund und sie wurden vom Menschen nur ausgenutzt.

Gerade weil Hühner an sich doch recht intelligente Wesen sind, empfinden wir es als schlimm, dass die Form der Bodenhaltung, bei der bis zu neun Hennen auf einem Quadratmeter zusammengepfercht sind, die sich gegenseitig die Federn aus und die Haut blutig picken, noch erlaubt ist. Viele Verbraucher wissen über die Zustände bei Bodenhaltungshühnern nicht Bescheid und sind sich nicht im Klaren darüber, dass sie mit den Eiern Produkte von Tieren kaufen, die nie im Leben Tageslicht sehen, die im ständigen Kampf um Futter und Platz leben, um am Ende ihres eineinhalb jährigen Lebens direkt geschlachtet zu werden.
Dann aber schon so ausgemergelt sind, dass sie nur noch zu Hundefutter oder Dünger taugen.

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